Serhij Zhadan

Mesopotamien

Inhaltszusammenfassung

KI-generierter Inhalt
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell freigegeben.

Serhij Zhadans „Mesopotamien“ besitzt keine durchgehende Romanhandlung, sondern verbindet neun „Geschichten und Biographien“ zu einem gemeinsamen Stadtpanorama. Schauplatz ist Charkiw, das als modernes Zweistromland zwischen Dnjepr und Don erscheint. Die Figuren begegnen einander auf Hochzeiten, bei Beerdigungen, in Wohnungen, Krankenhäusern, Hinterhöfen, Kneipen und auf nächtlichen Straßen. Eine Hauptfigur aus einer Geschichte kann später als Nebenfigur wiederkehren. So entsteht ein Geflecht aus Bekanntschaften, Liebesbeziehungen, Familienbindungen und alten Rechnungen. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die nach dem Ende der Sowjetunion erwachsen geworden sind und sich in einer von wirtschaftlicher Unsicherheit, Korruption, Gewalt und fehlenden Zukunftsperspektiven geprägten Gesellschaft behaupten müssen.

Den Auftakt bildet die Geschichte Marats. Der aus dem Kaukasus stammende Boxer ist in der Osternacht erschossen worden, als er Zigaretten holen wollte. Täter und Motiv bleiben ungeklärt. Vierzig Tage nach seinem Tod versammeln sich seine Eltern, seine Witwe, Freunde, Verwandte und Nachbarn zu einem traditionellen Totengedenken im Hof. Unter blühenden Apfelbäumen wird gegessen, getrunken und über den Toten gesprochen. Dabei tritt kein geschlossenes Bild Marats hervor. Die Anwesenden erinnern sich an unterschiedliche Seiten seines Lebens und müssen zugleich mit ihren eigenen Spannungen zurechtkommen. Der gewaltsame Tod wird nicht aufgeklärt, sondern bleibt als Bestandteil einer Umgebung bestehen, in der ein Menschenleben plötzlich und ohne erkennbare Ursache enden kann.

Romeo ist zwanzig Jahre alt und zum Studium nach Charkiw gekommen. Er betrachtet sein Alter als eine Zeit nahezu unbegrenzter Möglichkeiten und versucht, seine ungefähr doppelt so alte Vermieterin zu verführen. Seine Annäherung bleibt unbeholfen und erfolglos. Die Frau begegnet seiner jugendlichen Selbstgewissheit mit Lebenserfahrung und spricht von der Stadt wie von einem geliebten, aber umkämpften Wesen. Romeo hört ihre Aussagen über einen fortdauernden Krieg zunächst eher staunend als verstehend an. Seine Geschichte zeigt einen jungen Mann an der Schwelle zum Erwachsenenleben, der von Freiheit, Sexualität und Abenteuer überzeugt ist, während die ältere Frau bereits Verlust, Gefahr und die Bindung an Charkiw kennt.

Eine weitere Episode führt zu Sonjas Hochzeit. Sonja trägt Turnschuhe zum Brautkleid und entzieht sich von Beginn an den Erwartungen an eine fügsame Braut. Während der Feier schläft sie mit einem alten Bekannten. Als der Verrat entdeckt wird, schlägt die ohnehin angespannte Feststimmung in eine Massenschlägerei um. Die Hochzeit, die einen geordneten neuen Lebensabschnitt begründen soll, offenbart damit die unsteten Beziehungen der Beteiligten. Liebe, Begehren, Eifersucht, Alkohol und Gewalt lassen sich nicht voneinander trennen. Sonja erscheint nicht bloß als Objekt männlicher Wünsche, sondern trifft ihre eigenen Entscheidungen, auch wenn diese für sie und andere unmittelbar zerstörerische Folgen haben.

In den Geschichten um Iwan, Mario, Matwij und weitere Männer verschiebt sich der Blick zwischen verschiedenen Altersgruppen und gesellschaftlichen Milieus. Die Figuren versuchen, Beziehungen zu beginnen oder zu retten, suchen Anerkennung und verteidigen ihre Würde. Dabei werden Frauen, obwohl die Kapitel männliche Namen tragen, häufig zum eigentlichen Zentrum des Geschehens. Sie bestimmen den Verlauf von Begegnungen, widersetzen sich den Erwartungen ihrer Partner oder verschwinden aus deren Leben. Die Männer reagieren mit Sehnsucht, Prahlerei, Eifersucht oder Resignation. Ihre Konflikte werden selten dauerhaft gelöst. Entscheidungen entstehen aus dem Augenblick, und auf kurze Phasen der Nähe folgen Trennung, Streit oder erneute Einsamkeit.

Jura ist ein Kleinunternehmer, dessen finanzielle Schwierigkeiten ihn in Gefahr bringen. Weil er sich vor einem Gläubiger verstecken muss, gelangt er auf eine Tuberkulosestation. Der Aufenthalt im Krankenhaus, der eigentlich Krankheit und Bedrohung bedeutet, bietet ihm vorübergehend Schutz vor den Forderungen der Außenwelt. Jura richtet sich in dieser widersprüchlichen Zuflucht ein und gewinnt Zeit, ohne seine Schulden wirklich bewältigen zu können. Seine Lage verdeutlicht, wie die Figuren improvisieren: Statt grundlegende Lösungen zu finden, suchen sie Nischen, in denen sie für eine Weile unerreichbar sind. Selbst Krankheit kann unter solchen Bedingungen als geringeres Übel erscheinen.

Foma bewegt sich im Umfeld des Drogenhandels und sehnt sich zugleich nach einer festen Beziehung. Seine Annäherung an eine ehemalige Prostituierte führt jedoch nicht zu der erhofften Stabilität, sondern zu weiteren Problemen. Zwischen Misstrauen, Abhängigkeit und den Folgen früherer Lebensentscheidungen lässt sich keine einfache gemeinsame Zukunft herstellen. Fomas Versuch, seinem prekären Alltag durch Liebe einen Sinn zu geben, bleibt dennoch mit den anderen Geschichten verbunden: Fast alle Figuren hoffen, dass eine Beziehung ihr Leben ordnen könne, obwohl sie selbst kaum in der Lage sind, Verantwortung dauerhaft zu übernehmen.

Bob richtet seine Hoffnungen zeitweise auf Amerika. Bei einem Besuch seiner dort lebenden Verwandten erwägt er, Charkiw hinter sich zu lassen und in den Vereinigten Staaten neu anzufangen. Die Reise bringt jedoch keine eindeutige Befreiung. In der Fremde erkennt Bob, wie stark er trotz aller Kritik an seine Herkunftsstadt gebunden ist. Er will zurück in die vertraute „Sonnenstadt“ und kehrt schließlich nach Charkiw zurück. Heimat erweist sich für ihn nicht als idealer oder sicherer Ort, sondern als Raum seiner Erinnerungen, Freundschaften und Sprache. Die Möglichkeit eines anderen Lebens verliert gegenüber dieser Bindung an Gewicht.

Die letzte Prosageschichte gehört Luka. Er weiß, dass er bald sterben wird, und lädt Freunde und Bekannte zu einem gemeinsamen Essen ein. Unter den Gästen befinden sich Figuren aus früheren Episoden, sodass die verstreuten Lebenswege noch einmal zusammengeführt werden. Luka spricht über die Liebe als das Einzige, was dem Leben dauerhaft Gewicht gibt. Sie verbindet Erfahrungen und Erinnerungen, kann aber auch wie eine Schuld wirken, die beglichen werden muss. Das Buch endet damit nicht bei einer Lösung der einzelnen Konflikte, sondern bei einer Gemeinschaft auf Zeit. Auf die neun Prosageschichten folgt der Teil „Erläuterungen und Verallgemeinerungen“, ein Zyklus aus dreißig Gedichten. Darin kehren Figuren, Orte und Motive wieder: Liebe und Tod, Heimkehr und Verlust, Körperlichkeit, Gewalt und das Leben in Charkiw. Die Gedichte setzen die Handlung nicht geradlinig fort, sondern verdichten die zuvor erzählten Biographien zu einem gemeinsamen Nachklang.

Automatisch erstellt am 12.08.2026, 00:19 Uhr.

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Vorstellung im Literaturkreis

Vorgestellt von NN
27. April 2022
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