Elif Shafak

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Inhaltszusammenfassung

KI-generierter Inhalt
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell freigegeben.

Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von Menschen, deren Körper sie unausweichlich zu Objekten fremder Blicke machen. Im Zentrum steht eine namenlose, stark übergewichtige Frau im Istanbul des Jahres 1999. In einem Sammeltaxi muss sie wegen ihres Umfangs zwei Plätze bezahlen und spürt, wie die übrigen Fahrgäste sie mustern. Solche Erfahrungen bestimmen ihren Alltag. Auf der Straße, in Verkehrsmitteln und beim Einkaufen nimmt sie jedes Starren, Tuscheln und Zeigen wahr. Um sich der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entziehen, gibt sie schließlich ihre Arbeit auf und verbringt einen großen Teil ihrer Zeit in der Wohnung oder auf der Dachterrasse des Hayalifener-Apartments.

Auf einer Fähre begegnet sie Be-Ce, einem etwa achtzig Zentimeter großen Mann, der sie zunächst fotografiert. Obwohl sie sich gegen den übergriffigen Blick wehrt, kommen die beiden einander näher. Be-Ce wurde als Kind wegen seiner Kleinwüchsigkeit verspottet und hat seinen Namen aus einem entsprechenden Spottnamen abgeleitet. Die Erzählerin glaubt deshalb, in ihm einen Menschen gefunden zu haben, der ihre Erfahrung des Ausgestelltseins teilt. In seiner Nähe fühlt sie sich nicht auf ihren Körper reduziert. Auch sie betrachtet ihn nicht bloß als Kuriosität. Bald werden sie ein Paar und leben zusammen.

Ihre Einstellungen zum Gesehenwerden unterscheiden sich jedoch grundlegend. Die Frau möchte unsichtbar sein und empfindet die Außenwelt als einen Raum ständiger Beschämung. Be-Ce hingegen sucht Aufmerksamkeit und beobachtet seinerseits andere Menschen. Wenn beide gemeinsam ausgehen, ziehen die extrem unterschiedlichen Körper unweigerlich Blicke auf sich. Um der Wahrnehmung als ungewöhnliches Paar zu entkommen, verkleiden sie sich: Die Frau tritt als Mann auf, Be-Ce als Frau. Diese Ausflüge geben ihnen zeitweilig die Möglichkeit, fremde Rollen anzunehmen. Zugleich zeigen Auseinandersetzungen auf der Straße und in Lokalen, dass die Verkleidungen sie nicht dauerhaft vor Neugier und Spott schützen.

Be-Ce beginnt mit wachsender Besessenheit an einem „Lexikon der Blicke“ zu arbeiten. Darin sammelt er Begriffe, Geschichten, Mythen und Beobachtungen, die mit Sehen, Sichtbarkeit, Schönheit, Hässlichkeit, Verbergen und Enthüllen zusammenhängen. Das Lexikon wird in die Romanhandlung eingeschoben und entwickelt sich allmählich zum Mittelpunkt seines Lebens. Er zieht sich an seinen Schreibtisch zurück, gibt der Erzählerin kaum Einblick in seine Arbeit und betrachtet immer mehr Erlebnisse als mögliches Material. Während er behauptet, die Welt durch das Beobachten zu erfassen, fühlt sie sich zunehmend vernachlässigt. Seine Neugier überschreitet für sie die Grenze zwischen Anteilnahme und Benutzung.

Die Frau versucht unterdessen, ihren Körper zu verändern. Sie unterzieht sich einer Grapefruitdiät, kämpft gegen ihren Hunger und zählt Tage und Mahlzeiten. Auf Phasen strenger Selbstkontrolle folgen Essanfälle, bei denen sie große Mengen verschlingt und sich anschließend übergibt. Ihr Essen dient nicht nur der Befriedigung von Hunger, sondern auch dem Rückzug vor Demütigung und Angst. Je stärker sie sich beobachtet fühlt, desto mehr isst sie; je mehr sie isst, desto stärker fällt sie auf. Be-Ces Arbeit verschärft diesen Kreislauf, weil sie nicht mehr sicher sein kann, ob er sie als geliebten Menschen oder als Untersuchungsgegenstand wahrnimmt.

In Rückblenden wird der Ursprung ihrer Essstörung sichtbar. Als Kind lebt sie zeitweise bei ihrer strenggläubigen Großmutter in einem von Nachbarinnen und gesellschaftlicher Kontrolle geprägten Viertel. Während eines Versteckspiels sucht sie Schutz in einem Kohlenkeller. Dort begegnet sie einem erwachsenen Fremden, der sie sexuell missbraucht. Das Geschehen wird aus der begrenzten Wahrnehmung des Kindes erzählt, das die Gewalt nicht vollständig begreifen oder benennen kann. Die Augen eines Tieres, das zum Zeugen wird, verbinden sich in ihrer Erinnerung mit Scham und Entdeckung. Nach dem Erlebnis beginnt sie, sich durch Essen zu schützen und ihren Körper immer größer werden zu lassen. Das Verdrängte bleibt jedoch in ihren Träumen, Ängsten und zwanghaften Verhaltensweisen gegenwärtig.

Parallel dazu führt der Roman in das Pera des Jahres 1885. Dort plant Keramet Mumî Keşke Memiş Efendi, ein Mann mit einem ungewöhnlichen, wächsern wirkenden Gesicht, ein Kuriositätenkabinett in einem kirschroten Zelt. Er versteht, dass Menschen zugleich vom Schönen und vom Abstoßenden angezogen werden. Seine Vorstellungen vom weiblichen und männlichen Blick bestimmen die Organisation des Unternehmens: Zu verschiedenen Zeiten und durch getrennte Eingänge sollen Frauen und Männer das sehen, was ihre jeweils verborgene Neugier reizt. Keramet sucht deshalb nach Personen, deren Aussehen sich gewinnbringend ausstellen lässt.

Zu ihnen gehören das Zobelmädchen und La Belle Annabelle. Die Geschichte des Zobelmädchens führt in das Sibirien des Jahres 1648. Während einer schamanischen Prüfung kommt es zu einer unheilvollen Verbindung zwischen einem Kind und einem Zobeltier. Aus diesem Vorgang geht ein Wesen hervor, das zwischen menschlicher und tierischer Gestalt steht und wegen seines Aussehens verfolgt, gehandelt und schließlich als Schauobjekt benutzt wird. La Belle Annabelle stammt dagegen aus Frankreich. Ihre Mutter, Madame de Marelle, bringt nach einer außerehelichen Beziehung Zwillinge zur Welt. Annabelles außergewöhnliche Schönheit erinnert an ihren wirklichen Vater und macht sie in der Familie unerwünscht. Sie gelangt zu einer Wandertruppe, erhält ihren Bühnennamen und wird später an Keramet verkauft. Im kirschroten Zelt werden die vermeintlich hässlichste und die vermeintlich schönste Frau derselben öffentlichen Begierde unterworfen.

Die historische Schaustellergeschichte und die Istanbuler Gegenwart bleiben eigenständige Erzählstränge, spiegeln aber die Lage der Erzählerin. Wie die ausgestellten Frauen wird auch sie durch die Vorstellungen anderer festgelegt. Der entscheidende Bruch mit Be-Ce tritt ein, als sie heimlich sein Lexikon liest. Unter einem Eintrag über eine „Dicke“ erkennt sie sich selbst wieder; eine Notiz fordert sogar dazu auf, ihre Kindheit zu erforschen. Damit bestätigt sich ihre Befürchtung, dass Be-Ce ihre Verletzlichkeit und ihre Lebensgeschichte als Material verwendet. Sie begreift, dass der einzige Mensch, vor dessen Blick sie sich sicher glaubte, sie ebenfalls beobachtet und eingeordnet hat.

Nach dieser Entdeckung zerfällt die Beziehung. Die Frau gibt ihre Diät auf, verfällt erneut dem Essen und versucht schließlich, sich zu erhängen. Das Ende verlässt dabei eine eindeutig realistische Darstellung: Ihr Körper erscheint wie ein Ballon, der sich erhebt, und die Erzählung kehrt in veränderter Form zur Fahrt im Sammeltaxi vom Beginn zurück. Ein Kind beobachtet sie und zählt. Ob die Erzählerin gerettet wird, stirbt oder in eine traumartige Wiederholung ihrer Erinnerungen eintritt, wird nicht abschließend festgelegt. Be-Ces Lexikon, die Geschichte des Zeltes und die Kindheitserinnerung verbinden sich so mit ihrem letzten Versuch, dem Blick der anderen zu entkommen.

Automatisch erstellt am 12.08.2026, 00:08 Uhr.

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Vorstellung im Literaturkreis

Vorgestellt von Angela
23. März 2022
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