Jehona Kicaj

ë

Inhaltszusammenfassung

KI-generierter Inhalt
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell freigegeben.

Jehona Kicajs „ë“ ist ein fragmentarisch und nicht chronologisch erzählter Roman. Kurze Szenen aus der Gegenwart wechseln mit Erinnerungen an Kindheit, Familie, Flucht und Kosovokrieg sowie mit sachlich-dokumentarischen Passagen über Massengräber und forensische Untersuchungen. Vereinzelte albanische und gelegentlich auch mal englische Sätze stehen neben dem ansonsten deutschen Text. Im Mittelpunkt befindet sich eine namenlose Ich-Erzählerin, die als Kind kosovo-albanischer Geflüchteter in Deutschland aufgewachsen ist. Aus der zeitlichen und räumlichen Distanz versucht sie, die Geschichte ihrer Familie und des Kosovo zu erfassen und Worte für Erfahrungen zu finden, über die in ihrer Umgebung lange geschwiegen wurde.

Zu Beginn wacht die inzwischen erwachsene Erzählerin mit einem abgebrochenen Zahnstück im Mund auf. Sie presst und knirscht nachts so heftig mit den Zähnen, dass ihr Gebiss und ihre Kiefergelenke bereits geschädigt sind. Der Zahnarzt diagnostiziert Bruxismus und warnt, dass sie später möglicherweise nur noch unter Schmerzen kauen und sprechen könne. Die medizinischen Untersuchungen bilden einen wiederkehrenden Rahmen des Romans. Die Erzählerin verbindet ihre körperlichen Beschwerden mit ihrem kontrollierten Sprechen: Bevor sie etwas sagt, prüft sie jedes Wort, hält vieles zurück und empfindet die mögliche Sprachlosigkeit zugleich als Bedrohung und als Entlastung.

Diese Haltung führt sie auf ihre Kindheit in Deutschland zurück. Deutsch lernt sie zunächst aus dem Fernsehen. Im Kindergarten und in der Schule versucht sie, möglichst wenig aufzufallen. Wegen ihres rollenden R vermeidet sie bestimmte Wörter, bis ihre Herkunft beim Sprechen kaum noch erkennbar ist. Lehrkräfte deuten ihre Zurückhaltung als Schüchternheit, ohne die Ängste ihrer Familie zu kennen. Als die Schulklasse ein Begrüßungslied in verschiedenen Sprachen singt, soll die Erzählerin den vermeintlich „jugoslawischen“ Teil übernehmen. Obwohl sie die serbokroatischen Wörter nicht versteht und Albanisch ihre Sprache ist, widerspricht sie nicht. Auch später begegnet sie Menschen, die sie auf ihre Herkunft festlegen, ihr überraschend gutes Deutsch loben oder kaum etwas über den Kosovo wissen.

Die Familie hat den Kosovo vor dem offenen Krieg verlassen und lebt bereits in Deutschland, als 1998 und 1999 serbische Streitkräfte und Paramilitärs die kosovo-albanische Bevölkerung verfolgen. Die Erzählerin erlebt den Krieg aus sicherer Entfernung, doch Nachrichten, Telefonate und die Angst um Verwandte bestimmen den Familienalltag. Was im Kosovo geschieht, bleibt für sie zugleich unmittelbar und schwer vorstellbar. Ihre Eltern und andere Angehörige sprechen nur bruchstückhaft darüber. Besonders die Mutter antwortet auf Fragen häufig, sie könne sich nicht erinnern. Dieses Schweigen schützt die Betroffenen, hinterlässt bei der Erzählerin jedoch Lücken. Ihr Großvater gehört zu den Vermissten; Verwandte geben später Proben ab, damit seine sterblichen Überreste möglicherweise identifiziert werden können.

Als Erwachsene reist die Erzählerin mehrfach in den Kosovo und sucht nach materiellen Spuren der Familiengeschichte. Bei ihrer Tante Svedije betrachtet sie alte Fotografien. Die Tante erzählt, wie sie vor der Flucht Bilder und Goldschmuck in einer Plastiktüte im Garten vergrub. Ihr Sohn Shpëtim, damals ein Kind, holte daraufhin seine Glasmurmeln und ließ auch sie vergraben, weil sie für ihn ebenso wertvoll waren. Das Haus und der übrige Besitz der Familie verbrannten, doch die vergrabenen Gegenstände blieben erhalten. Für die Erzählerin sind solche Berichte wichtig, weil sie selbst keine unversehrte frühere Heimat kennt und sich nicht vorstellen kann, an einen vertrauten Ort zurückzukehren, der noch so aussieht wie zuvor.

In Prishtina besucht sie eine Ausstellung über die im Krieg ermordeten oder verschollenen Kinder. An einer Wand stehen mehr als tausend Namen; in Vitrinen liegen persönliche Gegenstände. Besonders beschäftigen sie die Murmeln des vierzehnjährigen Arbër, der zusammen mit Angehörigen und weiteren Kindern erschossen wurde. Sein Vater fand die Kugeln später am Tatort. Die Ausstellung verbindet die private Suche der Erzählerin mit den dokumentierten Verbrechen an der kosovo-albanischen Bevölkerung. Sie erkennt, dass Gegenstände Geschichten bewahren können, wenn die Menschen, denen sie gehörten, nicht mehr sprechen können.

Eine weitere Verbindung entsteht durch eine Vorlesung der forensischen Anthropologin Dr. Joanna Korner. Sie berichtet von der Exhumierung und Identifizierung Ermordeter aus Massengräbern. Knochen, Zähne, Gebissschemata und persönliche Gegenstände können helfen, Namen zu ermitteln und Menschenrechtsverletzungen nachzuweisen. Dr. Korner erzählt auch von den Murmeln in der Hosentasche eines getöteten Jungen. Zuhörer richten Fragen zur Rechtmäßigkeit des NATO-Einsatzes an sie; die Forensikerin verweist dagegen auf die konkreten Toten, mit denen sie gearbeitet hat. Für die Erzählerin rücken dadurch ihr kranker Kiefer, die nicht identifizierten Überreste ihres Großvaters und die systematische Auslöschung von Menschen eng zusammen.

Zwei Figuren verdeutlichen unterschiedliche Zugänge zum Krieg. Elias, ein deutscher Freund aus dem Umfeld der Universität, hört zu und stellt Fragen, kennt das Geschehen aber vor allem aus Medien und politischen Debatten. Selbst ihm bleiben manche rassistischen Erfahrungen und die dauernde Anspannung der Erzählerin verborgen. Ihre Cousine Shpresa hat dagegen im Kosovo gelebt und den Krieg vor Ort erfahren. Bei einem Besuch in Deutschland widerspricht sie einer abstrakten Diskussion über den NATO-Einsatz: Für sie steht im Vordergrund, dass die angegriffenen Menschen geschützt werden mussten. Zwischen Shpresa und der Erzählerin besteht dennoch ebenfalls eine Distanz, weil die eine den Krieg unmittelbar erlebte und die andere aus der Diaspora auf ihn zurückblickt.

Auch sprachlich befindet sich die Erzählerin zwischen verschiedenen Orten. Ihr Deutsch ist angepasst und sicher, fühlt sich für sie jedoch nicht immer selbstverständlich an. Ihr Albanisch wiederum entspricht teilweise dem Sprachstand der ausgewanderten Familie und wirkt bei Besuchen im Kosovo altmodisch. Gegen Ende erklärt sie Elias den titelgebenden Buchstaben „ë“: Er ist im Albanischen sehr häufig, bleibt besonders am Wortende oft beinahe oder vollständig unhörbar und beeinflusst dennoch Aussprache und Bedeutung. Die Erklärung fasst ihre Suche nach dem Verschwiegenen zusammen, ohne die äußeren Konflikte aufzulösen. Der beschädigte Kiefer ist am Ende nicht geheilt, der Großvater bleibt vermisst und die zerstörte Vergangenheit kann nicht wiederhergestellt werden. Die Erzählerin hat jedoch begonnen, die einzelnen Erinnerungen, Zeugnisse und Stimmen auszusprechen und miteinander zu verbinden.

Automatisch erstellt am 24.08.2026, 22:02 Uhr.

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Vorgestellt von Angela
24. August 2026
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