Daniel Glattauer
Die spürst du nicht
Inhaltszusammenfassung
KI-generierter InhaltDie seit Langem befreundeten österreichischen Familien Binder und Strobl-Marinek verbringen gemeinsam eine Ferienwoche in einer luxuriösen Villa mit Swimmingpool in der Toskana. Engelbert Binder ist ein erfolgreicher niederösterreichischer Winzer; seine Frau Melanie hat ihre früheren Schauspielambitionen zugunsten der Familie zurückgestellt. Ihr neunjähriger Sohn Benjamin ist mit Lotte, der jüngeren Tochter der Strobl-Marineks, befreundet. Oskar Marinek arbeitet als Lektor und begegnet seiner Umgebung häufig mit Besserwisserei und Spott. Seine Frau Elisa Strobl-Marinek ist Nationalratsabgeordnete der Grünen und wird als mögliche künftige Ministerin gehandelt. Die ältere Tochter des Paares, die vierzehnjährige Sophie Luise, hat ihre aus Somalia stammende Schulkollegin Aayana mitgebracht.
Aayana lebt seit vier Jahren mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder Abdulaziz in Österreich. Ihre Eltern hatten der Reise zunächst nicht zugestimmt. Elisa setzte jedoch über die Schule, eine psychosoziale Betreuerin und einen Dolmetscher mehrere Personen in Bewegung, um sie umzustimmen. Sophie Luise behauptet, Aayana sei ihre Freundin und ohne sie werde sie nicht mitfahren. Tatsächlich kennt sie das stille Mädchen nur oberflächlich. Sie betrachtet den Urlaub auch als Gelegenheit, Aayana mit ihrem eigenen privilegierten Leben vertraut zu machen und daraus eine wirkungsvolle Geschichte für soziale Medien zu gestalten. Vor allem will sie ihr das Schwimmen beibringen. Dass Aayana Angst vor Wasser hat und nicht schwimmen kann, wird zwar bemerkt, aber nicht näher hinterfragt.
Am ersten Urlaubstag richten sich die Erwachsenen bei Essen und Wein in der Villa ein. Sie loben sich dafür, Aayana diese Ferien zu ermöglichen, sprechen jedoch über sie und ihre Herkunft, ohne viel über ihr bisheriges Leben zu wissen. Sophie Luise beginnt im Pool mit dem angekündigten Schwimmunterricht. Aayana fühlt sich dabei sichtlich unwohl, während die Erwachsenen davon ausgehen, dass die beiden Vierzehnjährigen keiner besonderen Aufsicht bedürfen. Später verteilt sich die Gruppe im Haus und auf dem Grundstück. Als Aayana zum Abendessen nicht erscheint, beginnt eine Suche. Schließlich wird sie leblos im Pool gefunden. Wiederbelebungsversuche und die medizinische Versorgung im Krankenhaus können sie nicht retten; drei Tage später stirbt sie.
Die italienischen Behörden behandeln den Tod als tragischen Badeunfall und stellen das Verfahren ein. Die Familien brechen den Urlaub ab und kehren nach Österreich zurück. Dort wird der Fall öffentlich bekannt, weil Elisa eine prominente Politikerin ist. Zeitungsberichte und Diskussionen im Internet kreisen bald weniger um Aayana und ihre Angehörigen als um Elisas politische Zukunft, die mögliche Schuld der Urlauber und die Herkunft des verstorbenen Mädchens. Zwischen Mitgefühl und Schuldzuweisungen erscheinen zahlreiche aggressive, rassistische oder hämische Kommentare. Elisa versucht, ihre öffentliche Stellung zu schützen, während Oskar möglichst rasch juristische Kontrolle über die Angelegenheit gewinnen will.
Oskar beauftragt seinen früheren Schulfreund Oliver Steinpichler, einen bekannten und selbstsicheren Anwalt. Dieser erklärt den Vorfall zum eindeutigen Unfall und hält Ansprüche der Hinterbliebenen für aussichtslos. Die Erwachsenen übernehmen deshalb zunächst keine persönliche Verantwortung. Auch ein gemeinsamer Besuch bei Aayanas Eltern kommt lange nicht zustande. Gleichzeitig geraten die Beziehungen innerhalb und zwischen den beiden Familien unter Druck. Elisa sorgt sich um ihre Karriere und leidet außerdem unter dem Ende einer außerehelichen Beziehung. Melanie und Engelbert werden mit den bereits vorhandenen Rissen ihrer Ehe konfrontiert. Die Freundschaft zwischen Melanie und Elisa zerbricht zunehmend, weil jede befürchtet, die andere könne ihr im Streit um Verantwortung und Aufsichtspflicht schaden.
Am stärksten verändert sich Sophie Luise. In der Schule wird sie als Mörderin beschimpft und ausgegrenzt. Sie schwänzt den Unterricht, reagiert aggressiv und verschweigt ihren Eltern, wie schlecht es ihr geht. Elisa und Oskar bemerken ihre Krise kaum, weil sie mit dem öffentlichen und juristischen Nachspiel beschäftigt sind. Im Internet lernt Sophie Luise einen angeblich jungen Künstler kennen, der sich „Pierre pour vous“ nennt. Er fertigt Zeichnungen für sie an, nennt sie So-Lu und scheint ihre Trauer besser zu verstehen als ihre Familie. Sophie Luise idealisiert den unbekannten Gesprächspartner und verliebt sich in ihn. Warnzeichen, seine ausweichenden Antworten und ein misslungenes Treffen deutet sie zu seinen Gunsten um.
Unterdessen übernehmen Aayanas Eltern nicht länger die ihnen zugedachte schweigende Rolle. Ein älterer, ungepflegt wirkender und seit Jahren kaum noch praktizierender Anwalt vertritt sie und verlangt 200.000 Euro als Entschädigung für den erlittenen Schock. Steinpichler behandelt die Forderung zunächst mit offener Verachtung. Eine außergerichtliche Einigung scheitert, und es kommt zu einem öffentlichen Zivilprozess. In den Aussagen wird rekonstruiert, wie unklar die Aufsicht am Pool geregelt war, wie viel die Erwachsenen getrunken hatten und wie selbstverständlich alle davon ausgingen, dass Aayana weder Aufmerksamkeit noch besondere Fürsorge benötige. Steinpichler versucht, die Aussagen seiner Mandanten so zu ordnen, dass niemandem eine konkrete Pflichtverletzung nachgewiesen werden kann.
Parallel dazu wird Sophie Luises Beziehung zu Pierre gefährlich. Über Mittelsmänner erhält sie blaue Tabletten, die sie zunächst zurückweist. Pierre gewinnt jedoch erneut ihr Vertrauen, indem er behauptet, ebenfalls einen geliebten Menschen verloren zu haben. Schließlich wird deutlich, dass er nicht der französische Künstler ist, als den Sophie Luise ihn sich vorgestellt hat, sondern Aayanas Bruder Abdulaziz. Auch er ist traumatisiert, vereinsamt und in Drogenkonsum verstrickt. Sophie Luise sucht ihn auf und gerät durch die Tabletten in eine lebensbedrohliche Situation. Erst jetzt erkennen ihre Eltern, wie vollständig sie ihre Tochter nach dem Unglück mit Schuld, Trauer und öffentlicher Anfeindung allein gelassen haben.
Im letzten Teil des Prozesses erhält die Familie Ahmed Gelegenheit, ihre Vorgeschichte darzustellen. Aayanas Mutter berichtet von der Flucht aus Somalia über den afrikanischen Kontinent und das Mittelmeer. Sechs Familienmitglieder waren aufgebrochen, doch nur vier erreichten Wien lebend. Zwei Kinder starben während der Flucht. Aayanas Angst vor Wasser und die Traumatisierung der Familie erhalten dadurch einen Zusammenhang, nach dem die Gastgeber vor der Reise nie gefragt hatten. Der Anwalt der Ahmeds macht deutlich, dass es seinen Mandanten nicht allein um Geld geht, sondern darum, gehört und als Menschen mit einer eigenen Geschichte wahrgenommen zu werden. Ein abschließendes Gerichtsurteil steht nicht im Mittelpunkt. Der Prozess endet vor allem mit der Offenlegung dessen, was die privilegierten Familien vor und nach Aayanas Tod nicht wahrgenommen hatten: Aayana und ihre Angehörigen waren für sie fast unsichtbar geblieben, bis die Katastrophe sie zwang, sich mit deren Leben auseinanderzusetzen.
Automatisch erstellt am 12.08.2026, 09:06 Uhr.
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