Ricarda Messner

Wo der Name wohnt

Inhaltszusammenfassung

KI-generierter Inhalt
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell freigegeben.

Im Mittelpunkt des Romans steht eine Ich-Erzählerin, die in Berlin-Charlottenburg in unmittelbarer Nähe zu der Wohnung lebt, in der ihre Großeltern viele Jahre gewohnt haben. Zwischen den beiden benachbarten Häusern mit den Nummern 36 und 37 liegen nur wenige Schritte. Als Kind verbringt die Erzählerin viel Zeit bei den Großeltern. Sie spielt auf dem Glastisch im Wohnzimmer Tischtennis, erlebt gemeinsame Mahlzeiten und beobachtet die Gewohnheiten der beiden. Auch als Erwachsene entscheidet sie sich bewusst für diese Nähe und bezieht ihre erste eigene Wohnung im Nachbarhaus. Die Vorstellung, ein selbstständiges Leben müsse mit räumlicher Entfernung von der Familie beginnen, bleibt ihr fremd.

Zu Beginn des Romans sind Großmutter und Großvater bereits gestorben. Bei der Auflösung ihrer Wohnung trägt die Erzählerin Gegenstände zusammen, die sie bewahren möchte: Besteck, Töpfe, Musikkassetten, Fotos, Schriftstücke und andere Überreste des gemeinsamen Alltags. Ein Teil davon gelangt in ihre eigene Wohnung nebenan. Dort ordnet sie die Fundstücke zeitweise wie eine kleine Ausstellung an. Diese „Vergangenheitsinventur“ bildet den Ausgangspunkt einer Suche, die über persönliche Erinnerungen hinausführt. Jeder Gegenstand kann eine Szene zurückbringen, verweist zugleich aber auf Zusammenhänge, die der Erzählerin unbekannt geblieben sind.

Besonders gegenwärtig ist die Großmutter. Die Erzählerin erinnert sich an ihre Fürsorge, ihre Genauigkeit und ihre ausgeprägte Ordnungsliebe. Die Großmutter bewahrte selbst scheinbar bedeutungslose Kassenzettel auf und sortierte Dokumente alphabetisch. Sie hinterließ Briefe, Aufzeichnungen und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. Ihr Deutsch war mit russischen Wendungen und den Sprachen ihrer Herkunft verbunden. In Erinnerungen erscheinen ihre Einkäufe, Vorbereitungen für Gäste und die sorgfältig gedeckten Mahlzeiten. Die vielen kleinen Rituale zeigen, wie stark die Wohnung der Großeltern das Sicherheitsgefühl der Enkelin geprägt hat.

Der Großvater wird als ruhiger, humorvoller Mann erinnert, der Fußball gespielt und später als Trainer gearbeitet hat. Fotos und Kassetten halten Bruchstücke seines Lebens fest. Wie die Großmutter sprach er jedoch nicht ausführlich über alle Erfahrungen der Vergangenheit. Dadurch entsteht ein Gegensatz zwischen der vertrauten Alltagswelt der Großeltern und der historischen Belastung ihrer Familiengeschichte. Die Erzählerin erkennt nach und nach, dass die familiäre Wärme in Berlin auf eine Vorgeschichte von Verfolgung, Verlust, Migration und Schweigen folgt.

Ein zweiter zentraler Strang betrifft den Namen Levitanus. Die Erzählerin trug ihn zunächst als Geburtsnamen, doch durch die rechtliche Zuordnung zum deutschen Vater verschwand er aus ihrem späteren Namen. Nach dem Tod der Großmutter wird ihr bewusst, dass mit ihr die letzte unmittelbare Trägerin des Familiennamens gestorben ist. Während der Wohnungsauflösung wächst deshalb der Wunsch, Levitanus wieder anzunehmen. Für die Erzählerin ist der Name kein beliebig austauschbares Kennzeichen. Er verbindet sie mit der mütterlichen Familie und mit Menschen, deren Lebenswege nur noch in Dokumenten, Erzählungen und Erinnerungen vorhanden sind.

Sie wendet sich an das zuständige Bezirksamt und versucht, die Namensänderung zu erreichen. Dabei legt sie Geburtsurkunden vor und erläutert die familiäre Bedeutung ihres Anliegens. Die Behörde beurteilt den Antrag jedoch nach den formalen Voraussetzungen des deutschen Namensrechts. Der Wunsch, einen aussterbenden Familiennamen zu erhalten, wird nicht als ausreichender Grund anerkannt. Die amtlichen Schreiben und ablehnenden Formulierungen begleiten die einzelnen Abschnitte des Romans. Während die Erzählerin den Namen mit Verlust, Zugehörigkeit und konkreten Menschen verbindet, behandelt die Verwaltung ihn als rechtlich geregelte Bezeichnung. Der Antrag bleibt erfolglos.

Parallel dazu befragt die Erzählerin ihre Mutter nach dem früheren Leben der Familie. Die Mutter war noch jung, als sie am 9. April 1971 mit ihren Eltern aus dem sowjetischen Lettland in die Bundesrepublik ausreiste. Die Familie kam als staatenlos nach Deutschland. Zwischen dieser Ausreise und der Geburt der Erzählerin liegen achtzehn Jahre. Als Kind stellte sich die Erzählerin das „Früher“, von dem die Erwachsenen sprachen, beinahe wie ein eigenes Land vor. Nun möchte sie Einzelheiten über Riga, die Zugfahrt und die Ankunft in Deutschland erfahren.

Die Mutter kann oder will jedoch nicht alle gewünschten Bilder liefern. An manches erinnert sie sich nicht, anderes hat sie damals nicht beachtet. Mitunter widersprechen sich ihre Erinnerungen und die früheren Erzählungen der Großmutter. Dennoch unterstützt sie die Tochter, übersetzt russische Texte, Gespräche und Aufzeichnungen und erzählt gelegentlich von sich aus Geschichten zu alten Fotografien. Zwischen Mutter und Tochter entstehen dabei Missverständnisse: Die Erzählerin sucht nach möglichst anschaulichen Einzelheiten, während die Mutter der Vergangenheit weniger systematisch begegnet. Die Tochter lernt, dass familiäre Erinnerung lückenhaft bleibt und sich nicht zu einer widerspruchsfreien Chronik ordnen lässt.

Die Spurensuche führt weiter zurück in die Geschichte der lettischen Juden. In den Unterlagen entdeckt die Erzählerin Dokumente und einen Text ihres Urgroßvaters Salomon. Hinzu kommen historische Quellen und Zeugenaussagen über die deutsche Besatzung Lettlands, das Rigaer Ghetto und die Ermordung jüdischer Einwohner im Jahr 1941. Namen von Opfern und Zeugen treten neben die vertrauten Namen aus dem Freundeskreis der Großeltern. Damit wird deutlich, dass die Verluste der Familie nicht erst mit der Ausreise von 1971 beginnen. Hinter dem Schweigen und den fehlenden Verwandten stehen nationalsozialistische Verbrechen, denen Angehörige der Familie zum Opfer fielen.

Schließlich reist die Erzählerin nach Riga. Sie sucht Straßen, Häuser und Orte auf, die in den überlieferten Texten vorkommen, und folgt besonders den Worten Salomons. Im Gebiet des ehemaligen Ghettos findet sie ein Fenster, das mit seiner Geschichte und damit mit der eigenen Familie verbunden ist. Die Reise stellt die verlorene Vergangenheit nicht vollständig wieder her. Sie schafft jedoch eine konkrete Verbindung zwischen den Berliner Wohnungen, dem sowjetischen Lettland der Großeltern und der vernichteten jüdischen Welt früherer Generationen.

Am Ende besitzt die Erzählerin weder eine vollständige Familienchronik noch die behördliche Erlaubnis, Levitanus wieder als Nachnamen zu führen. Viele Lebensläufe bleiben nur in Ausschnitten greifbar. Dennoch hat sie die verstreuten Stimmen, Gegenstände, Dokumente und Erinnerungen zusammengetragen. Was rechtlich nicht als Name fortgesetzt werden kann, erhält im Erzählen einen Ort. Die Wohnung nebenan, die geretteten Alltagsgegenstände, die Reise nach Riga und die niedergeschriebenen Geschichten bewahren die Verbindung zwischen vier Generationen, ohne die vorhandenen Lücken zu verdecken.

Automatisch erstellt am 11.08.2026, 13:23 Uhr.

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Vorstellung im Literaturkreis

Vorgestellt von Astrid
19. August 2025
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