Christoph Ransmayr
Die letzte Welt
Inhaltszusammenfassung
KI-generierter InhaltDer Römer Cotta reist im April über das stürmische Schwarze Meer nach Tomi, eine abgelegene, vom Eisenbergbau geprägte Küstenstadt. In Rom hat sich das Gerücht verbreitet, der seit Jahren verbannte Dichter Publius Ovidius Naso sei gestorben. Cotta will herausfinden, was mit ihm geschehen ist, und zugleich nach dessen Hauptwerk, den „Metamorphosen“, suchen. Naso hatte die einzige bekannte Niederschrift vor seiner Verbannung verbrannt; Cotta hofft jedoch, dass im Exil eine neue Fassung oder Abschrift entstanden ist. Tomi erscheint ihm als verfallender, von extremem Wetter und einer zunehmend mächtigen Natur beherrschter Ort. Antike Lebensformen stehen dort unvermittelt neben technischen Dingen wie Filmprojektoren, Bushaltestellen und Konserven.
Cotta findet Unterkunft im baufälligen Haus des Seilers Lycaon. Von den verschlossenen Einwohnern erfährt er schließlich, dass Naso mit seinem griechischen Diener Pythagoras in Trachila gelebt habe, einem Weiler im Gebirge. Cotta steigt hinauf und entdeckt zwischen überwucherten Ruinen zahlreiche Steinmale, an denen beschriftete Stofffähnchen befestigt sind. In Nasos noch erhaltenem Haus trifft er den verwirrten Pythagoras. Als Cotta nach den „Metamorphosen“ fragt, führt ihn der Alte in einen verwilderten Garten. Unter Schnecken und Moos kommen Inschriften zum Vorschein, in denen Naso erklärt, er habe ein Werk vollendet, das Feuer, Eisen, göttlichen Zorn und die Zeit überdauern werde. Pythagoras berichtet, der Dichter sei eines Morgens ins Gebirge gegangen und nicht zurückgekehrt.
Cottas Erinnerungen ergänzen die Vorgeschichte. Naso war in Rom ein gefeierter, zugleich aber politisch verdächtiger Autor. Seine Geschichten von Verwandlungen ließen sich als Angriffe auf die scheinbar unveränderliche Ordnung des Reiches verstehen. Bei der Eröffnung eines Stadions hielt er eine Rede, in der er die erwartete Huldigung des Kaisers Augustus unterließ und sich lediglich an die Bürger Roms wandte. Der Hof deutete dies als Beleidigung und machte Naso zum Staatsfeind. Vor seiner Abreise verbrannte er seine Manuskripte und wurde an das Schwarze Meer verbannt. Seine späteren Gnadengesuche blieben erfolglos, Besuche aus Rom wurden verhindert. Auch nach dem Tod des Augustus und der Machtübernahme des Tiberius durfte er nicht zurückkehren.
Während Cotta nach Tomi zurückkehrt, glaubt er in der Dunkelheit, Lycaon in Wolfsgestalt zu sehen. In der Stadt gerät er in ein ausgelassenes Maskenfest. Die Bewohner haben sich als Götter und Gestalten aus Nasos Erzählungen verkleidet. Kurzzeitig meint Cotta, den Dichter gefunden zu haben, erkennt in der vermeintlichen Gestalt Nasos jedoch Battus, den kranken Sohn der Krämerin Fama. Zugleich führt der kleinwüchsige Wanderkinobetreiber Cyparis seine Filme vor. Besonders bewegt die Einwohner die Geschichte von Ceyx und Alcyone, die nach Tod und Trauer in Eisvögel verwandelt werden. Cotta erkennt, wie tief Nasos Geschichten bereits in die Vorstellungen der Menschen von Tomi eingedrungen sind.
Nach einer Erkrankung lernt Cotta Echo näher kennen, eine junge Frau, die für Lycaon arbeitet und von den Einwohnern als Prostituierte behandelt wird. Ihr Gesicht wird zeitweise von einem schmerzhaften Schuppenfleck entstellt; häufig wiederholt sie nur, was andere sagen. Über Naso spricht sie jedoch ausführlich. Der Dichter sei nach anfänglicher Ablehnung immer wieder aus Trachila herabgekommen, habe Feuer entzündet und den Bewohnern Geschichten erzählt, die er angeblich in den Flammen erkannte. Echo berichtet Cotta besonders von Versteinerungen und von einer großen Flut, nach der Deucalion und Pyrrha durch das Werfen von Steinen eine neue Menschheit erschaffen. Cotta folgert, dass Naso keine neue Handschrift angefertigt, sondern sein Werk mündlich unter den Bewohnern verbreitet hat. Er will die Erzählungen sammeln und aufschreiben, doch Echo verschwindet nach einer Unwetternacht spurlos.
Cotta entdeckt weitere Bestandteile des verlorenen Werkes bei der taubstummen Weberin Arachne. Ihre Teppiche zeigen vor allem Flug- und Vogelgeschichten, darunter das Schicksal des Icarus. Damit wird deutlich, dass Naso verschiedenen Menschen unterschiedliche Teile seiner Dichtung anvertraut hat. Im heißen Sommer erreicht das Handelsschiff „Argo“ unter Kapitän Iason die Stadt. Fama erwirbt ein Episkop, das vergrößerte Bilder von Gegenständen an die Wand wirft. Battus verfällt dem Gerät und bedient es beinahe ununterbrochen. Als es versagt, findet Fama ihren Sohn zu Stein erstarrt. Sie zerstört den Projektor, bewahrt den versteinerten Battus jedoch in ihrem Laden auf. Für Cotta ist dieses Ereignis nicht mehr als bloße Einbildung erklärbar.
Um Naso zu finden und seine eigene Wahrnehmung zu überprüfen, steigt Cotta erneut ins Gebirge. Er durchquert eine von Regen, Erdrutschen und Steinlawinen veränderte Landschaft und gelangt über die verlassene Bergarbeiterstadt Limyra nach Trachila. Dort entdeckt er einen verwesenden Wolf, während Lycaon aus Tomi verschwunden bleibt. Aus der Entfernung glaubt Cotta, Naso und Pythagoras beim Diktieren zu sehen. Beim Näherkommen erweisen sich die Gestalten jedoch als Kiefernstamm und Steinmal. Dennoch raucht der Herd, und die beschriebenen Stoffbänder sind vorhanden. Cotta sammelt die Fähnchen ein und bringt sie nach Tomi, wo er sie im verlassenen Haus Lycaons ordnet. Auf ihnen stehen Namen, Satzfragmente und Schicksale von Einwohnern der Stadt.
Im warmen, regenreichen Winter überwuchern Pflanzen und Schimmel die Gebäude. Cotta verbringt viel Zeit mit Fama, die ihm Geschichten über Tomis Bewohner erzählt. Schließlich kehrt Philomela zurück, die lange verschollene Schwester von Procne, der Frau des Schlachters Tereus. Philomelas Gesicht ist entstellt und ihre Zunge herausgeschnitten. Es zeigt sich, dass Tereus sie vergewaltigt und verstümmelt hat. Procne tötet aus Rache ihren Sohn Itys. Tereus verfolgt die Schwestern daraufhin mit einer Axt, doch vor Cottas Augen verwandeln sich Philomela und Procne in Nachtigall und Schwalbe, Tereus in einen Wiedehopf. Genau dieses Geschehen hat Cotta zuvor auf den Fähnchen gelesen. Er begreift, dass Nasos Werk nicht nur vergangene Ereignisse enthält, sondern auch die Zukunft Tomis vorwegnimmt oder bestimmt. Naso selbst bleibt unauffindbar und scheint in seinen Geschichten und der sich verwandelnden Landschaft aufgegangen zu sein. Cotta gibt den Gedanken an eine Rückkehr nach Rom auf. Er zieht erneut nach Trachila, um unter den verschütteten Stoffbändern jene Inschrift zu suchen, die seinen eigenen Namen und damit sein Schicksal trägt.
Automatisch erstellt am 12.08.2026, 07:16 Uhr.
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