Florian Wacker
Zebras im Schnee
Inhaltszusammenfassung
KI-generierter InhaltDer Roman erzählt auf zwei Zeitebenen von der Fotografin Ella Burmeister, ihrer Freundin Franziska Goldblum und Franziskas Sohn Richard Kugelman. Im New York des Jahres 1997 arbeitet Richard als Kunsthistoriker und Architekt an der Cooper Union. Er lebt mit der erfolgreichen Architektin Sarah zusammen und soll eine Ausstellung über das Stadtplanungsprogramm Neues Frankfurt vorbereiten. Die Aufgabe reizt ihn zunächst wenig, bis er in einem Konvolut historischer Aufnahmen Fotografien entdeckt, die eine unbekannte Ella Burmeister angefertigt hat. Auf einem Bild von einer politischen Demonstration erkennt er seine verstorbene Mutter Franziska als junge Frau. Richard wusste zwar, dass seine jüdische Familie 1933 aus Deutschland geflohen war, doch Franziska hatte kaum über ihre Frankfurter Jahre gesprochen und nach der Emigration nie wieder gemalt.
Richard besucht die hochbetagte Fotografin Ilse Bing, die in den zwanziger Jahren ebenfalls in Frankfurt tätig gewesen war. Sie erinnert sich an Ella als zurückhaltende, aber begabte und unermüdlich arbeitende Fotografin. Außerdem berichtet sie von einer gemeinsamen Ausstellung und einer späteren Begegnung mit Ella in Paris. Richard beginnt zu vermuten, dass Ellas Werk nicht nur einen neuen Schwerpunkt für seine Ausstellung liefern, sondern ihm auch einen unbekannten Teil seiner Familiengeschichte erschließen könnte.
Der historische Handlungsstrang setzt 1927 ein. Ella Burmeister ist zweiundzwanzig Jahre alt und studiert Mathematik, obwohl sie sich für Fotografie interessiert. Ihre Eltern haben ihr das Studium unter erheblichen finanziellen Anstrengungen ermöglicht und erwarten, dass sie einen sicheren Berufsweg einschlägt. Ganz anders lebt Franziska Goldblum, die aus einer wohlhabenden jüdischen Familie stammt, Malerei studiert und dank ihres Onkels Heinrich über eine eigene Wohnung und finanzielle Unabhängigkeit verfügt. Franziska ist selbstbewusst, politisch interessiert und mit den Vergnügungen des modernen Frankfurt vertraut. Zu Ellas Geburtstag schenkt sie ihr eine Leica. Bei einem gemeinsamen Zoobesuch fotografieren die Freundinnen einander und die Tiere, darunter die Zebras. Diese Bilder werden später für ihre Beziehung und Richards Nachforschungen wichtig.
Die Kamera verändert Ellas Leben. Während sie an der Universität unter der Geringschätzung männlicher Kommilitonen und Professoren leidet, entdeckt sie hinter dem Sucher eine eigene Ausdrucksmöglichkeit. Sie fotografiert Straßenszenen, Menschen, Licht, Bewegung und die neuen Gebäude der Stadt. Franziska bestärkt sie darin, ihr ungeliebtes Studium aufzugeben und aus ihrer Begabung einen Beruf zu machen. Ellas Vater hält die Fotografie jedoch für eine unsichere Beschäftigung und fürchtet, seine Tochter verschwende die Chancen, die ihre Eltern ihr ermöglicht haben. Der Konflikt führt schließlich dazu, dass Ella das Elternhaus verlässt.
Durch Franziska und deren Bekanntenkreis begegnet Ella Künstlerinnen, Journalisten und Architekten. Ihre Aufnahmen finden Anerkennung, und sie erhält erste Aufträge. Sie dokumentiert Projekte des Neuen Frankfurt, darunter die Großmarkthalle, ein Gartenbad und moderne Wohnsiedlungen. Dabei lernt sie den Architekten Max Harder kennen, der im Umfeld Martin Elsaessers arbeitet. Zwischen beiden entwickelt sich eine Beziehung; Ella verlobt sich mit Max und entfernt sich zeitweise von Franziska. Zugleich arbeitet sie für eine Zeitung und muss erfahren, dass Redakteure bestimmen, welche Bilder veröffentlicht werden. Ihre persönlichen Beobachtungen und ihr künstlerischer Blick geraten in Konflikt mit den Erwartungen von Auftraggebern und politischen Gruppen.
Franziska sucht währenddessen ihren eigenen Weg als Malerin und engagiert sich zunehmend im kommunistischen Umfeld. Die politische Lage verschärft sich: Kommunisten und Nationalsozialisten liefern sich Straßenkämpfe, antisemitische Bedrohungen nehmen zu, und die kulturelle Aufbruchsstimmung verliert ihre Unbeschwertheit. Auch zwischen Ella und Franziska entstehen Spannungen. Ihre Verbindung ist mehr als eine gewöhnliche Freundschaft, kann jedoch weder offen gelebt noch mit den anderen Bindungen der beiden Frauen ohne Weiteres vereinbart werden.
Als Max mit einer Gruppe deutscher Architekten in die Sowjetunion geht, folgt Ella ihm. In Moskau und beim Aufbau der Industriestadt Magnitogorsk erlebt sie den Versuch, Architektur und Gesellschaft radikal neu zu gestalten. Ihre Fotografien sollen dort vor allem politischen Zwecken dienen. Nicht Ellas eigener Blick, sondern die gewünschte Botschaft entscheidet darüber, was gezeigt werden darf. Die Erfahrungen in der Sowjetunion entfremden sie von Max und von der Vorstellung, Kunst könne sich einer politischen Sache unterordnen, ohne ihre Wahrhaftigkeit zu verlieren. Ella kehrt nach Westeuropa zurück.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ist Franziska als Jüdin und wegen ihrer politischen Kontakte unmittelbar gefährdet. Sie muss Deutschland verlassen und gelangt über Frankreich schließlich nach Marseille, von wo aus sie mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten emigriert. Ella reist ihr nach. Bei ihrer letzten Begegnung werden die lange verdrängten Gefühle zwischen den Frauen ausgesprochen und für kurze Zeit gelebt. Eine gemeinsame Zukunft entsteht daraus jedoch nicht. Franziska geht nach Amerika, gründet dort eine Familie und bewahrt über Ella und ihre eigene künstlerische Vergangenheit Schweigen. Ella bleibt zurück, führt später ein anderes Leben und kann ebenfalls nicht mehr an ihre frühe künstlerische Arbeit anknüpfen. Ihre Fotografien verschwinden in privaten Nachlässen, während andere Beteiligte des Neuen Frankfurt kunstgeschichtlich bekannt werden.
Richard reist für eine Tagung und weitere Recherchen nach Frankfurt. Der dortige Kollege Thomas unterstützt ihn bei der Suche in Archiven und vermittelt Kontakte zu Nachfahren von Menschen aus Ellas Umfeld. Zwischen Richard und Thomas entsteht eine persönliche Nähe, die Richard dazu bringt, auch über sein eigenes, mit Sarah scheinbar geordnetes Leben nachzudenken. Nach und nach findet er weitere Aufnahmen Ellas und kann ihre Bedeutung für die fotografische Dokumentation des Neuen Frankfurt belegen. Besonders aufschlussreich ist der Kontakt zu Ellas Familie, durch den die Verbindung zwischen Ella und Franziska deutlicher hervortritt.
Am Ende versteht Richard, dass die Traurigkeit seiner Mutter mit dem Verlust ihrer Heimat, ihrer Kunst und ihrer Liebe zu Ella verbunden war. Er berichtet seinen Geschwistern Carl und Eleonore von seinen Entdeckungen und zeigt ihnen das Bild der Zebras, das Franziska über Jahrzehnte bewahrt hatte. Die geplante Ausstellung kann Ella aus dem Vergessen holen, vermag aber das versäumte Leben der beiden Frauen nicht nachträglich zu verändern. Richards Recherche gibt seiner Mutter eine Geschichte jenseits ihrer Rolle innerhalb der Familie und zwingt ihn zugleich, die unausgesprochenen Wünsche und Bindungen seines eigenen Lebens ernster zu nehmen.
Automatisch erstellt am 12.08.2026, 07:04 Uhr.
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