Leo Perutz
Nachts unter der steinernen Brücke
Inhaltszusammenfassung
KI-generierter InhaltDer Roman besteht aus vierzehn nicht chronologisch angeordneten Erzählungen und einem Epilog. Zusammen ergeben sie die Geschichte einer verhängnisvollen Verbindung zwischen Kaiser Rudolf II., der Prager Jüdin Esther, ihrem Ehemann Mordechai Meisl und Rabbi Löw. Die Handlung spielt überwiegend um 1600 zwischen der Prager Judenstadt und der kaiserlichen Burg auf dem Hradschin.
Als junger Erzherzog begegnet Rudolf in einem Wald zwei riesenhaften Gestalten, die drei Haufen aus Gold, Silber und Kupfer bewachen. Der Schatz, erklären sie ihm, sei für Mordechai Meisl bestimmt, den künftigen Kammerherrn des Kaisers. Rudolf nimmt aus Trotz einen Silbertaler an sich, wird danach jedoch von Unglück verfolgt. Als er die Münze von der Steinernen Brücke in die Moldau wirft, landet sie im Boot eines Fischers. Über mehrere Besitzer gelangt sie schließlich zu einem armen, geschäftstüchtigen Jungen. Rudolf erfährt, dass dieser Mordechai Meisl heißt. Damit deutet sich früh an, dass Meisl zu großem Reichtum bestimmt ist und sein Schicksal mit dem Rudolfs verbunden bleiben wird.
Jahre später besucht Kaiser Rudolf die Judenstadt. Als ein Attentäter einen Stein auf ihn herabstürzen lässt, rettet Rabbi Löw ihm durch ein Zauberwort das Leben: Der Stein verwandelt sich in zwei Schwalben. Dadurch greift der Rabbi jedoch in die göttliche Ordnung ein. Rudolf erblickt bei diesem Besuch die schöne Esther, die Ehefrau Mordechai Meisls, und verliebt sich in sie. Er verlangt von Rabbi Löw, ihm die Frau auf die Burg zu bringen. Der Rabbi weigert sich, weil Esther verheiratet ist. Darauf droht Rudolf, die Juden aus Prag und seinen Ländern zu vertreiben.
Um seine Gemeinde zu schützen, greift Rabbi Löw erneut zu einem Zauber. Unter der Steinernen Brücke pflanzt er einen Rosenstock und einen Rosmarinstrauch so dicht nebeneinander, dass sie sich umschlingen. In den Pflanzen sollen sich die Seelen Rudolfs und Esthers begegnen. Fortan erleben beide Nacht für Nacht denselben Traum und vereinigen sich darin als Liebende, ohne den Ursprung dieser Begegnungen zu kennen. Rudolf hält an der unbekannten Geliebten fest, während Esther beim Erwachen erleichtert ist, dass ihr Ehebruch scheinbar nur im Traum stattfindet. Dennoch empfindet sie Schuld und fürchtet Gottes Zorn.
Im Jahr 1589 breitet sich unter den Kindern der Judenstadt ein tödliches Sterben aus. Die armen Musiker und Spaßmacher Koppel-Bär und Jäckele-Narr sehen auf dem Friedhof die Geister der verstorbenen Kinder. Rabbi Löw deutet die Erscheinung als Hinweis auf eine fortdauernde Sünde. Die Geister sprechen von Ehebruch, doch als der Rabbi die Gemeinde versammelt und die Schuldige zum Geständnis auffordert, tritt niemand vor. Schließlich lässt er einen Kindergeist zu sich bringen und gibt ihm vorübergehend das Leben zurück. Das Kind erklärt, außer Gott kenne nur der Rabbi selbst den Schuldigen. Nun versteht Löw, dass sein eigener Zauber die Ursache des Unheils ist. Er trennt die ineinander verschlungenen Pflanzen und wirft den Rosmarinstrauch in die Moldau. In derselben Nacht endet das Kindersterben, Esther stirbt, und Rudolf fährt mit einem Schrei aus seinem Traum auf.
Sowohl Meisl als auch Rudolf bleiben der Verstorbenen verbunden. Bei einem inkognito unternommenen Besuch im Atelier des Malers Brabanzio begegnet Rudolf zufällig Meisl. Dieser möchte nach seiner Erinnerung ein Bild Esthers anfertigen lassen, kann ihre Erscheinung jedoch nicht so beschreiben, dass der Maler sie erfassen könnte. Rudolf zeichnet währenddessen gedankenverloren das Gesicht seiner Traumgeliebten. Meisl erkennt darin Esther, ohne zu wissen, dass die Zeichnung vom Kaiser stammt. So treffen die beiden Männer aufeinander, erkennen aber nicht, dass sie um dieselbe Frau trauern.
Rudolfs kostspielige Hofhaltung und seine Leidenschaft für Kunst bringen ihn in dauernde Geldnot. Alchimisten sollen für ihn Gold erzeugen, scheitern jedoch. Sein Kammerdiener Philipp Lang vermittelt deshalb eine Geschäftsverbindung mit Mordechai Meisl. Der inzwischen außerordentlich reiche Kaufmann finanziert den Kaiser und erhält dafür Privilegien. Rudolf wird an Meisls Gewinnen beteiligt und soll nach dessen Tod einen erheblichen Teil des Vermögens erben. Am Hof gilt Meisl deshalb als der wahre Goldmacher des Kaisers, während Lang die Verbindung zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt.
Der kranke, kinderlose Meisl fragt sich, warum sein Leben noch nicht erloschen ist. Seit Esthers Tod beschäftigen ihn ihre letzten Worte: „Rudolf hilf!“ Als Lang ihm von einer geheimnisvollen verheirateten Geliebten erzählt, die dem Kaiser durch den Tod entrissen worden sei, wird Meisl misstrauisch. Verkleidet gelangt er auf die Burg, um Rudolf zu sehen. Dort hört er ein Mädchen ebenfalls „Rudolf hilf!“ rufen. In diesem Augenblick erkennt er den Zusammenhang und ist überzeugt, dass Esther die Geliebte des Kaisers gewesen ist. Aus Rache beschließt er, Rudolf nichts zu hinterlassen. Er verschenkt und verteilt sein Vermögen und will nur so lange leben, bis ihm nichts mehr gehört.
Die Folgen dieser Vermögensauflösung ziehen sich durch mehrere Episoden. Meisl bestimmt Geld für den unglücklichen Berl Landfahrer, doch der einzige Wegweiser zum Versteck, Meisls Pudel, entkommt. Der verarmte junge Waldstein, der spätere Wallenstein, gerät bei der Suche nach Geld durch eine Verwechslung zu einer reichen Witwe und heiratet sie. Zugleich verschärft Meisls Handeln die Finanznot des Hofes. Nach Rudolfs Tod erinnern sich ehemalige Diener im Jahr 1621 an die untergegangene kaiserliche Welt, während Böhmen von Krieg und politischen Umwälzungen geprägt ist.
Im abschließenden Gespräch mit dem Engel Asael muss Rabbi Löw sich seinen Eingriffen in die göttliche Ordnung stellen. Erst hier wird vollständig offengelegt, wie seine Rettung Rudolfs, die Begegnung mit Esther, der Liebeszauber, das Kindersterben und Meisls Rache zusammenhängen. Ein Epilog führt in das Prag um 1900: Der Hauslehrer Jakob Meisl, ein Nachkomme Mordechais, überliefert dem jungen Erzähler die Geschichten. Mit dem Abriss der alten Judenstadt verschwinden schließlich auch die letzten sichtbaren Spuren von Meisls Welt.
Automatisch erstellt am 12.08.2026, 02:10 Uhr.
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