Leila Slimani

Der Duft der Blumen bei Nacht

Inhaltszusammenfassung

KI-generierter Inhalt
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell freigegeben.

Das autobiografische Buch beginnt im Dezember 2018 in Paris. Leïla Slimani arbeitet an einem neuen Roman und versucht, sich gegen alle Ablenkungen des Alltags abzuschirmen. Schreiben bedeutet für sie Disziplin, Verzicht und Rückzug. Sie muss Einladungen ablehnen, sich von Freunden und Bekannten fernhalten und zeitweise auch familiäre Pflichten abwehren. Als Schriftstellerin und Mutter zweier Kinder erlebt sie einen beständigen Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Einsamkeit und den Anforderungen ihrer Umgebung. Für frühere Bücher hat sie sich bereits vollständig zurückgezogen, etwa in ein Haus in der Normandie, wo sie tagelang kaum Kontakt zu anderen Menschen hatte. Nur in einer solchen Abgeschlossenheit kann sie ganz in die Welt ihrer Figuren eintreten.

Ausgerechnet während dieser Arbeitsphase trifft sie ihre Lektorin Alina Gurdiel. Diese lädt sie ein, an der Buchreihe „Eine Nacht im Museum“ teilzunehmen. Slimani soll eine Nacht allein in einem Museum verbringen und anschließend darüber schreiben. Obwohl sie eigentlich alle zusätzlichen Verpflichtungen vermeiden möchte, sagt sie zu. Kurz darauf bereut sie die Entscheidung. Ein bestellter Text widerspricht ihrer Überzeugung, dass Literatur aus einem inneren Zwang oder einer persönlichen Obsession hervorgehen müsse. Zudem fühlt sie sich der bildenden Kunst nicht besonders verbunden und bezweifelt, dass sie über ein Museum etwas Bedeutendes schreiben kann.

Im April 2019 reist Slimani nach Venedig. Die Stadt erscheint ihr als ein Ort des Übergangs, an dem Europa und der Orient, Vergangenheit und Gegenwart sowie Festland und Wasser aufeinandertreffen. Vor ihrer Museumsnacht geht sie durch die von Touristen überfüllten Straßen und nimmt eine ausgiebige Mahlzeit zu sich. Anschließend meldet sie sich an der Punta della Dogana, dem ehemaligen venezianischen Seezollamt, das heute einen Teil der Kunstsammlung François Pinaults beherbergt. Ein Wachmann zeigt ihr die Toiletten und das bereitgestellte Feldbett. Danach bleibt sie in den großen Ausstellungsräumen allein zurück. Sie vermutet, dass die Überwachungskameras weiterhin eingeschaltet sind, und ist sich deshalb nicht sicher, ob ihre Einsamkeit vollständig unbeobachtet bleibt.

Zunächst bewegt sich Slimani unsicher durch das Gebäude. Sie zieht ihre laut klackernden Schuhe aus und geht barfuß weiter. Die ungewohnte Freiheit, Kunstwerke ohne andere Besucher betrachten zu können, verbindet sich mit Unbehagen. Museen sind für sie keine selbstverständlichen Orte. In ihrer Kindheit im Rabat der 1990er-Jahre hatte sie Zugang zu Büchern und Filmen, aber kaum zu Museen oder Theatern. Bei ihren ersten europäischen Museumsbesuchen bemühte sie sich, die erwartete Haltung einer gebildeten Betrachterin einzunehmen, ohne sich wirklich zugehörig zu fühlen. Auch in der Punta della Dogana bleiben ihr viele Werke fremd. Statt eine Abhandlung über zeitgenössische Kunst zu verfassen, folgt sie den Erinnerungen und Gedanken, die der Ort in ihr auslöst.

Fotografien, Gemälde und Installationen führen sie zur Frage, was von vergangenen Menschen und Lebenswelten übrig bleibt. Besonders Arbeiten von Etel Adnan und Berenice Abbott lenken ihren Blick auf Spuren, Vergänglichkeit und das allmähliche Verschwinden vertrauter Orte. Das Museum wird zu einem Raum, in dem Gegenstände bewahrt werden, während persönliche Erinnerungen jederzeit verloren gehen können. Slimani denkt darüber nach, wie leicht Gesellschaften ihre Vergangenheit verdrängen und wie notwendig es ist, Erfahrungen festzuhalten. Damit nähert sie sich zugleich ihrer eigenen Aufgabe als Schriftstellerin: dem Versuch, Verschwiegenes in Sprache zu verwandeln und Vergessenes wieder sichtbar zu machen.

Im Zentrum des Museums entdeckt sie zwei schwarze, von innen beleuchtete Gebilde. Es handelt sich um die Installation „Mesk-Ellil“ des marokkanischen Künstlers Hicham Berrada. In den Behältern wächst Nachtjasmin, dessen Blüten sich erst nach Einbruch der Dunkelheit öffnen. Der intensive Duft versetzt Slimani in die Häuser ihrer Kindheit in Rabat zurück. Auch dort standen solche Pflanzen am Eingang. Ihr Vater machte die Familie an Sommerabenden immer wieder auf ihren Geruch aufmerksam. Als Jugendliche schlich Slimani an dem Strauch vorbei, wenn sie heimlich das Haus verließ. Der Duft verbindet deshalb Geborgenheit, Täuschung, jugendliche Auflehnung und die Erinnerung an den Vater. Zugleich verweist er auf ihren Vornamen, denn Leïla bedeutet auf Arabisch „Nacht“.

Die freiwillige Einschließung im Museum erinnert Slimani an unterschiedliche Formen des Eingesperrtseins. Sie beschreibt sich als ein Kind, das viel Zeit im Haus verbrachte, und denkt an die Frauen ihrer Herkunftsgesellschaft, denen über Generationen hinweg Bewegungsfreiheit und eigener Raum verweigert wurden. Auch die Arbeit einer Schriftstellerin verlangt Absonderung. Gerade für Frauen und Mütter ist der Anspruch auf einen geschützten Raum jedoch häufig mit Schuldgefühlen verbunden. Slimani begreift die zeitweilige Abwendung von Familie und Alltag als Voraussetzung dafür, eine eigenständige innere Welt aufzubauen.

Die schmerzhafteste Verbindung zwischen Gefangenschaft und ihrer Familiengeschichte betrifft ihren Vater Othman Slimani. Der ehemalige marokkanische Spitzenbeamte und Bankdirektor wurde in einen großen Politik- und Finanzskandal hineingezogen. Als Leïla dreizehn Jahre alt war, wurde er unter Hausarrest gestellt. Es folgten jahrelange Verfahren, gesellschaftliche Ächtung und der Verlust der bisherigen Sicherheit. 2003 kam er für einige Monate ins Gefängnis – an dem Tag, an dem seine Tochter ihr Studium am Pariser Institut Sciences Po begann. Nach seiner Entlassung erkrankte er schwer und starb 2004. Später wurde er von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen freigesprochen. Diese nachträgliche Rehabilitierung konnte weder seinen Tod noch die Scham und Angst ungeschehen machen, die sich in der Familie festgesetzt hatten.

In der Museumsnacht erkennt Slimani, wie eng ihr Schreiben mit diesem Unrecht verbunden ist. Sie empfindet den Tod des Vaters als Auftrag, gegen das Schweigen und die Auslöschung anzuschreiben. In ihren Geschichten möchte sie den Ausgestoßenen eine Stimme geben und ihren Figuren die Freiheit zurückgeben, die ihrem Vater genommen wurde. Von ihm übernimmt sie die Vorstellung eines inneren Lebens, das äußeren Demütigungen standhalten kann. Bei ihr wird dieses innere Leben von Literatur genährt. Das Schreiben ist deshalb zugleich selbstgewählte Gefangenschaft und Möglichkeit der Befreiung.

Weitere Erinnerungen betreffen Slimanis Leben zwischen Marokko und Frankreich. In Paris wurde sie als angepasste Araberin wahrgenommen, ohne sich vollständig einer Seite zugehörig zu fühlen. Sie wuchs in Marokko auf, schreibt jedoch auf Französisch und beherrscht das Arabische nicht in dem Maß, das sie selbst lange für notwendig hielt. Zeitweise glaubte sie, als Autorin für ein Land oder eine Gemeinschaft sprechen zu müssen. Ihr Austausch mit Salman Rushdie hilft ihr zu akzeptieren, dass eine Schriftstellerin weder eine eindeutige Identität besitzen noch im Namen einer Gruppe schreiben muss. Ihre geteilte Zugehörigkeit wird damit nicht aufgehoben, verliert aber einen Teil ihres Zwangs.

Während die Nacht fortschreitet, raucht Slimani heimlich auf der Toilette, wandert weiter durch die Räume und ruht sich nur zeitweise auf dem Feldbett aus. Die erhoffte unmittelbare Offenbarung durch die Kunst bleibt aus; stattdessen führt die Abgeschlossenheit zu einer Begegnung mit ihrer eigenen Vergangenheit. Bei Tagesanbruch verlässt sie das Museum hastig. Draußen trinkt sie einen Espresso und raucht eine Zigarette. Sie freut sich darauf, zu ihrer Familie und vor allem zu ihrem Roman zurückzukehren. Die Museumsnacht hat keinen herkömmlichen Handlungsabschluss hervorgebracht, aber sie hat ihr gezeigt, warum sie die Einsamkeit sucht: Sie schließt sich ein, um Erinnerungen, Figuren und verdrängten Erfahrungen einen Raum zu geben und durch das Schreiben eine eigene Form von Freiheit zu gewinnen.

Automatisch erstellt am 12.08.2026, 01:46 Uhr.

Literatur-Assistent

Über dieses Buch sprechen

Stelle Fragen zu diesem Buch, diskutiere Interpretationen oder vergleiche es mit anderen Büchern unseres Literaturkreises.

Gespräch beginnen

Vorstellung im Literaturkreis

Vorgestellt von Stefanie
23. August 2023
Zurück zur Bücherliste