Raphaela Edelbauer
Das flüssige Land
Inhaltszusammenfassung
KI-generierter InhaltDie Wiener Physikerin Ruth Schwarz steht kurz vor ihrer Habilitation und beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Blockuniversum-Theorie, nach der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen existieren. Ihr Alltag ist von Überarbeitung, Medikamenten und einem zunehmend unsicheren Zeitgefühl geprägt. Ein Anruf der Polizei reißt sie aus diesem Zustand: Ihre Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Obwohl Ruth in den vergangenen Jahren nur wenig Kontakt zu ihnen hatte, übernimmt sie die Aufgabe, das Begräbnis zu organisieren. Von ihrer Tante erfährt sie, dass die Eltern den Wunsch hinterlassen haben, in Groß-Einland, dem Ort ihrer Kindheit, bestattet zu werden.
Ruth kennt Groß-Einland nur aus den Erzählungen ihrer Eltern. Der Ort ist weder auf Karten verzeichnet noch mit dem Navigationsgerät zu finden, und niemand, den sie fragt, scheint von ihm gehört zu haben. Trotzdem fährt sie in die Gegend, in der er ihrer Erinnerung nach liegen müsste. Nach einer planlosen, mehrere Tage dauernden Suche will sie bereits aufgeben. An einer Tankstelle hört sie jedoch zwei Männer über Groß-Einland sprechen. Sie folgt ihrem Wagen und entdeckt schließlich ein verwittertes Ortsschild. Eine kaum befahrbare Strecke führt sie durch den Wald in die abgeschiedene Gemeinde. Ihr Auto wird dabei so stark beschädigt, dass sie vorerst bleiben muss.
Groß-Einland wirkt wie eine aus der Zeit gefallene Kleinstadt. Die Bewohner leben weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, moderne Kommunikationsmittel spielen kaum eine Rolle, und sämtliche Angelegenheiten des Ortes scheinen von einer Gräfin und ihrem Schloss bestimmt zu werden. Ruth findet Unterkunft in einem Gasthof und versucht zunächst, das Begräbnis vorzubereiten. Gleichzeitig beginnt sie, nach Spuren ihrer Eltern zu suchen. Da die Reparatur ihres Autos sich verzögert und Auskünfte nur schwer zu bekommen sind, verlängert sich ihr Aufenthalt. Bald erfährt sie zudem, dass die Beisetzung ihrer Eltern inzwischen ohne sie in Wien stattgefunden hat. Dennoch kehrt sie nicht zurück.
Unter Groß-Einland erstreckt sich ein weit verzweigtes, aufgegebenes Bergwerk. Durch den jahrhundertelangen Abbau ist der Untergrund ausgehöhlt, sodass Straßen, Plätze und Häuser absinken. Im Zentrum des Ortes klafft ein gewaltiger Hohlraum, der gewöhnlich nur als das Loch bezeichnet wird. Die Einwohner versuchen, ihn mit Bauschutt, Abfällen und Zement zu füllen, ohne den Einsturz dauerhaft aufhalten zu können. Risse werden ausgebessert, schiefe Gebäude notdürftig gestützt und neue Schäden möglichst schnell verdeckt. Obwohl die Gefahr allgegenwärtig ist, behandeln viele Bewohner sie wie einen normalen Bestandteil des Alltags.
Ruths Nachforschungen in der Gemeindebibliothek und in alten Unterlagen wecken die Aufmerksamkeit der Gräfin. Diese lädt Ruth ins Schloss ein und bietet ihr eine Aufgabe an: Als Physikerin soll sie ein Material entwickeln, mit dem sich der instabile Untergrund verfestigen und das Loch schließen lässt. Die Gräfin verbindet die Rettung des Ortes mit ehrgeizigen Plänen, Groß-Einland für den Tourismus zu öffnen. Ruth nimmt den Auftrag an. Sie erhält finanzielle Unterstützung und kauft ein Haus, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Erst später erkennt sie, dass ihre Eltern dort gemeinsam aufgewachsen waren. Sie waren Adoptivgeschwister, bevor sie ein Paar wurden und Groß-Einland verließen.
Während Ruth sich im Ort einrichtet, verliert sie ihr ursprüngliches Leben in Wien immer mehr aus dem Blick. Ihre wissenschaftliche Arbeit bleibt liegen, und ihr Zeitgefühl wird noch unzuverlässiger. Einerseits empfindet sie in Groß-Einland erstmals eine starke Zugehörigkeit; andererseits stößt sie bei der Erforschung ihrer Familie auf Widersprüche und Lücken. Die offizielle Ortsgeschichte stellt Groß-Einland vor allem als traditionsreiche, idyllische Gemeinde dar. Dokumente und Zeugenaussagen weisen jedoch darauf hin, dass während des Nationalsozialismus in den Bergwerksstollen ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen untergebracht war. Häftlinge mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen für die Rüstungsproduktion arbeiten.
Aus verstreuten Aufzeichnungen rekonstruiert Ruth die Ereignisse der letzten Kriegstage. Ein Teil der Gefangenen wurde auf einen Todesmarsch geschickt, andere wurden ermordet. Zahlreiche Häftlinge kamen in oder bei den Stollen ums Leben und wurden im Bereich des Bergwerks verscharrt. Die Verantwortung wird in den überlieferten Darstellungen fast ausschließlich auswärtigen Soldaten zugeschoben. Ruth findet jedoch Hinweise darauf, dass Einwohner beteiligt waren oder zumindest von den Verbrechen wussten und später an deren Verschleierung mitwirkten. Damit wird das Loch nicht nur zu einer baulichen Gefahr, sondern auch zum verborgenen Schauplatz der verdrängten Vergangenheit. Die Gräfin kontrolliert Archive, Erzählungen und öffentliche Erinnerungsformen und verhindert, dass Ruth zu eindeutigen Ergebnissen gelangt.
Unterdessen verschärft sich die geologische Krise. Auch Ruths Haus bekommt Risse und droht abzusinken. Sie widmet sich nun mit großer Besessenheit der Entwicklung eines Füllstoffs. Schließlich findet sie eine benzinhaltige Mischung, die den Boden tatsächlich stabilisiert. Mit ihr kann sie ihr Haus vorläufig retten. Das Mittel ist jedoch giftig: Die Pflanzen in ihrem Garten sterben ab, und der behandelte Boden wird unfruchtbar. Als die Bewohner die Veränderung bemerken, erkennen sie, dass Ruth eine technisch wirksame Lösung gefunden hat. Trotz ihrer Zweifel übergibt sie der Gräfin die Rezeptur. Damit ermöglicht sie eine Rettung, die das Loch verschließt, zugleich aber den Boden und alles darin dauerhaft schädigt.
Die Gräfin bereitet ein großes Eröffnungsfest vor, bei dem Groß-Einland erstmals als touristische Attraktion präsentiert werden soll. Besucher strömen in den zuvor verborgenen Ort, während mit dem Einfüllen des Materials begonnen wird. Ruth soll eine Festrede halten. Sie plant zunächst, die Ergebnisse ihrer historischen Nachforschungen öffentlich zu machen und damit die von der Gräfin geschützte Darstellung der Vergangenheit zu durchbrechen. Im entscheidenden Augenblick verzichtet sie jedoch darauf. Sie wirft ihre Aufzeichnungen in das Loch, hält die Rede nicht und verlässt Groß-Einland. Ruth fährt nach Wien zurück, während hinter ihr der Untergrund künstlich befestigt und die belastete Geschichte des Ortes erneut zugedeckt wird.
Automatisch erstellt am 12.08.2026, 01:26 Uhr.
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